Schlossfestspiele "Evita"
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Teil eines grossen Theaters

Die Ettlinger Schlossfestspiele sind seit über 45 Jahren eine Institution. Zu ihren faszinierendsten Seiten gehört der Bürgerchor mit Menschen aus der Region, die Teil eines großen Ensembles sind. Hildegard Müller war von Anfang an dabei.

Geschichte

Evita, das Musical. Es beginnt mit einem großen Trauerzug. Die Königin ist gestorben, die Frau, die eine ganze Nation gespalten hat, halb Heilige, halb Vamp. Das argentinische Volk hat sie vergöttert, die Oberschicht abgelehnt. Nun nehmen auf der Bühne der Schlossfestspiele die Menschen in großer Zahl von ihr Abschied. Eine imposante Szene.

Inmitten des Trauerzugs steht Hildegard Müller. Das heißt, sie steht eigentlich nicht, sie agiert, gestikuliert, erhebt ihre Stimme und ihre Hände. Eine Sängerin und Akteurin aus dem Bürgerchor, eine Frau aus dem Volk von Ettlingen, die mit den Profi -Schauspielern zusammen ein faszinierendes Gesamtensemble bildet.

2019 wurde der Bürgerchor aus der Taufe gehoben. Ein Mitmachformat, das die Menschen aus Ettlingen und weiter Umgebung auf eine besondere Art und Weise einbezieht. Hildegard Müller war von Anfang an dabei. Sie erinnert sich noch gut an das erste Casting für die Zauberflöte: „Wir mussten in Gruppen von acht bis zehn Leuten vorsingen, nicht alle wurden genommen“.

Sie aber erhielt den Zuschlag und durfte fortan bei jeder großen Inszenierung mitwirken: Die Fledermaus, Carmen, der Freischütz und jetzt eben Evita, das Musical. Wie ihre Kolleginnen und Kollegen ist sie ganz langsam in die große Aufgabe hineingewachsen. Sie erinnert sich daran, wie anfangs alle noch „recht statisch auf der Bühne standen“. Ein Chor, der auf und abtritt. 

Doch dann wurde daraus allmählich immer mehr Schauspielerei. Die Sängerinnen und Sänger gewannen Bühnensicherheit und die Regie fasste Vertrauen in sie. So agieren die Männer und Frauen des Bürgerchors heute ganz selbstverständlich auf der Bühne mit. Ein dynamisches Großes und Ganzes, das aus Ettlingen nicht mehr wegzudenken ist.

Bei Evita trat Hildegard Müller mal als Fotografin auf, dann wieder als Teil der feiernden Festgesellschaft in den Fenstern des Schlosses sowie eben als stumme Begleiterin des Trauerzugs. Wenn sie ihre Stimme erhebt, tut sie das entweder als Alt oder Tenor: „Je nachdem, wie hoch die Tonlagen sind.“ Auf etwa 240 Personen ist die Bürgerchor-Familie angewachsen, 120 davon sind aktiv. Wer sich dafür entscheidet, Teil des Bürgerchors bei den Ettlinger Schlossfestspielen zu werden, muss Zeit mitbringen. Fünf Probewochenenden gibt es allein für den Bürgerchor und mehrere Hauptdurchgänge mit dem Ensemble auf der großen Bühne. Für Hildegard Müller (71) ist das kein Problem: „Ich bin ja im Ruhestand.“ Zur Sicherheit sind aber viele Rollen mehrfach besetzt. Etwa 60 Menschen stehen auf der Bühne, 90 sind es insgesamt im Bürgerchor. So ist gewährleistet, dass bei den Auff ührungen immer genug Sänger vor Ort sind.

Hildegard Müller war ziemlich oft mit von der Partie. 19 von 22 Evita-Vorstellungen hat sie wahrgenommen, eine ziemlich hohe Quote. Man hört ihr die Freude und Begeisterung förmlich an, wenn sie davon erzählt. Als Laiendarstellerin und Sängerin bei einer professionellen Inszenierung richtig dazuzugehören, das hätte sie sich niemals träumen lassen. 

„Eine tolle Erfahrung“, sagt sie – und ein außergewöhnlicher Einblick hinter die Kulissen einer Produktion, die man sonst nur von außen erlebt. So konnte sie beobachten wie Regisseurin Solveig Bauer die Fäden in der Hand hält und Dirigent Bernard Bagger die Musiker in Szene setzt. 

Das Ettlinger Schloss ist eine wunderbare Umgebung für Festspiele dieser Art. Bei Evita wirkt der Schlosshof, als ob er eigens für diesen Zweck erbaut worden wäre. In wechselndes Licht getaucht, entfaltet er seine Wirkung, wird die historische Fassade mit ihren Fenstern plötzlich zu einem Stück Argentinien aus der glamourösen Zeit der Vierzigerjahre.

Inzwischen sind schon eine ganze Reihe von Produktionen zusammen mit dem Bürgerchor entstanden. Deswegen gab es im letzten Jahr sogar zwei Sondervorstellungen mit dem „Best of“ der Bürgerchor-Opern. Auch das hat Hildegard Müller sehr viel Spaß gemacht, die natürlich auch in diesem Jahr wieder mit von der Partei sein wird. 

Irgendwie ist der Bürgerchor aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Es ist ja auch immer wieder schön, die Bühnenkolleginnen und Kollegen zu treffen: „Wir sind eine nette Gemeinschaft“, sagt sie und ist freilich genauso gespannt darauf, „welche Neuen dann dabei sein werden“. 

Seit über 45 Jahren gibt es die Schlossfestspiele nun schon. Eine Institution im Albtal und ein Höhepunkt des Kulturprogramms, auf das sich alle freuen. Sämtliche Evita-Termine im letzten Jahr waren ausverkauft, in lauer Sommeratmosphäre ließen sich die Besucher gerne von Hildegard Müller und den vielen anderen Akteuren verzaubern.

Info.

Programm und Eintrittskarten der Schlossfestspiele Ettlingen gibt es im Internet. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. 

www.schlossfestspieleettlingen.de

 

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