Saubere Arbeit
Die Firma Bardusch in Ettlingen, ein europaweit tätiger Textildienstleister, startete vor mehr als 150 Jahren als kleiner Waschbetrieb am Ufer der Alb.
Caroline Bardusch war eine Frau mit Geschäftssinn. Und mit einem Blick für das, was Männer brauchen – genauer gesagt, die Soldaten, die einst die Unteroffi ziersschule in Ettlingen besuchten. Diese war ab 1870 im Schloss untergebracht und bescherte der damals noch kleinen Stadt einen Bevölkerungszuwachs: Um 1880 wurden dort bereit s 550 Männer ausgebildet.
Die Soldaten lernten, zu exerzieren und zu schießen. Sie mussten ihre Waffen instand halten – u n d a u c h ihre Kleidung, war sie doch ein sichtbares Zeichen für Disziplin und Ordnung im Regiment. Also wuschen die Soldaten regelmäßig ihre aus Drillich, also robustem Baumwoll- und Leinenstoff genähten Jacken und Hosen. Ein Geschäft, das mühsam war und auch deshalb keiner machen wollte, weil es als Frauenarbeit galt. So gründete die damals knapp 40-jährige Caroline Bardusch mit ihrem Mann Christian 1871 eine Wäscherei, um den Soldaten diese Arbeit abzunehmen.
Familie Bardusch besaß ein Grundstück direkt an der Alb – also beste Voraussetzungen für einen Wäschereibetrieb, denn der Fluss lieferte das nötige Wasser direkt vor die Tür. In den ersten Jahren wurde alles von Hand gewaschen: Die Anzüge der Unteroffiziere, aber auch die Wäsche aus Gaststätten und Hotels. Sogar die bessergestellten Ettlinger Bürger ließen bei Barduschs ihre Bettwäsche reinigen, die dank eines steigenden Bewusstseins für Hygiene häufiger gewechselt wurde als zuvor. Auf alten Fotos ist zu sehen, wie vor der Wäscherei große weiße Tücher auf dem Rasen ausliegen. So bleichte man damals Textilien, denn ein Waschmittel, das dies kann, wurde erst später entwickelt. Dabei war Caroline Bardusch aufgeschlossen für neue Technik: Noch im 19. Jahrhundert schaffte der Betrieb die erste Waschmaschine an.
Zwar immer noch ein handbetriebenes Gerät ohne eigene Heizung, trotzdem erleichterte es die schwere körperliche Arbeit. „Ich bezeuge hiermit, daß ich mit der Waschmaschine ... auf’s Beste zufrieden bin, indem ich damit in drei Stunden eine Wäsche rein gewaschen habe, woran zwei Wäscherinnen sonst den ganzen Tag zu tun hatten“, empfahl sie 1887 im Karlsruher Tagblatt das Gerät, das sie in Karlsruhe gekauft hatte.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Betrieb erstmals vergrößert und eine sogenannte Dampfwäschereianstalt eingerichtet. Fotografien aus der Firmengeschichte zeigen den Sprung in die Moderne mit Dampf- und Waschmaschinen, Mangel- und Bügelsälen. Über die Jahrhunderte entwickelte sich der Familienbetrieb weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte er komplett auf Wäsche von Gewerbebetrieben um. Schon in den 1950er-Jahren ließen Daimler, die Deutsche Bahn und andere große Unternehmen bei Bardusch reinigen. Mittlerweile arbeitet der Textildienstleister vorwiegend im Tauschprinzip: Das heißt, Bardusch besitzt selbst die Berufsbekleidung, die sie an Krankenhäuser, Pflegeheime, Lebensmittelproduzenten und andere Firmen vermietet – und regelmäßig austauscht und reinigt. Waschmaschinen gibt es zwar immer noch, aber daneben moderne Anlagen, die automatisch Kleidung sortieren sowie Textilien für staubfreie Reinräume reinigen und desinfi zieren können. Inzwischen ist das Unternehmen mit mehr als 6000 Mitarbeitern in sechs Ländern Europas vertreten, allein in Deutschland werden an 20 Standorten täglich rund 310 Tonnen Wäsche gewaschen.