Nachtwächter in Bad Herrenalb
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Der Zeitenwanderer

Viehhirte Bernhard dreht auch als Nachtwächter seine Runden. 
Gäste dürfen ihn begleiten und erleben Zeitsprünge durch die 
Geschichte von Bad Herrenalb.

Geschichte

Mit langem Lodenmantel, breitkrempigem Hut, Stock und Laterne streift er durch die Straßen, die bereits in die Dunkelheit abtauchen. Es ist der Viehhirte Bernhard, der von den Mönchen beauftragt wurde, nachts nach dem Rechten zu sehen. Er kennt die Stadt wie seine Westentasche. An 
manchen Tagen darf man ihn bei seinen Rundgängen begleiten.

„Willkommen in Alba Dominorum“, begrüßt Bernhard Lohner seine Gäste. „Das ist der lateinische Name für Bad Herrenalb, wo die Mönche die Herren waren.“ Er zündet die Kerzen in den Laternen an, verteilt sie an die Kurgäste, Urlauber und Neu-Einheimischen. Sein Rundgang beginnt im Mittelalter. Dort, wo Graf Berthold III. von Eberstein sein Gelübde der Dankbarkeit einlöste: 
Wenn er vom Zweiten Kreuzzug wieder nach Hause käme, würde er ein Kloster gründen. Zwölf Zisterziensermönche und ihr Abt zogen im Jahr 1149 in Bad Herrenalb ein.
 

Die Gruppe spaziert durchs Klostertor, an dem Frauen früher abgewiesen 
wurden. „Sie haben Glück, der Pförtner hat heute keinen Dienst“, scherzt der Nachtwächter und prophezeit, dass das Paradies nun ganz nah sei. So wird die romanische Vorhalle der 
Klosterkirche genannt. Sie ist zwar nur noch eine Ruine, erhalten ist jedoch die 
Inschrift, die diejenigen auffordert einzutreten, die ohne Sünde sind.

Auch hier hat die Gruppe Glück: Es tut sich kein Höllenschlund auf. 
Sehr viele Jahre später, da war die Abtei Bad Herrenalb schon Geschichte, ereignete sich ein Wunder im Kloster, vor dem sich die Besucher verwundert die Augen reiben. Denn vor 200 
Jahren kam ein kleiner Samen angeflogen und ließ sich auf dem zweiten Torbogen im Paradies nieder. Die Waldkiefer trieb ihre Wurzeln durch das Mauerwerk bis in den Boden und 
thront seither dort oben, inzwischen als stattlicher Wunderbaum und Foto-Hotspot. Bernhard Lohner unterhält seine Begleiter mit Anekdoten, Sprichwörtern und Legenden. 
Eine erzählt davon, wie das Bier zum Fastengetränk der Mönche wurde. Sie schickten eine Probe zum Papst, um dessen Segen zu erhalten. Bis das Gebräu in Rom ankam, war es allerdings 
gekippt und eine saure Brühe. Der Pontifex entschied, dass es mehr Strafe als Freude und für die Fastenzeit in Ordnung sei.
 

Vom Kloster zieht der Nachtwächter zur ehemaligen Abtswohnung und zur Klostermauer, wo die Gruppe dem Murmeln des Gaisbachs lauscht. Von diesem romantischen Ort geht es zur 
romanischen Klosterscheuer. Heute ist das gut erhaltene Wirtschaftsgebäude ein Restaurant und serviert Klosterpfännle und Lammragout „Klosterbruder“ – Gerichte, bei denen sich die Mönche die trockenen Lippen geleckt hätten. Früher hatte der Nachtwächter all jenen heimgeleuchtet, die in den Schenken kein Ende fanden. Denn Straßenlaternen gab es damals nicht.

„Im Grunde bin ich ein Zeitenwanderer durch die Jahrhunderte“, sagt Bernhard Lohner. Deshalb nimmt er seine Gäste mit in den Kurpark und ins 19. Jahrhundert. Auf dem Gelände steht ein Mammutbaum. Der stammt aus der Stuttgarter Wilhelma-Saat. König Wilhelm I. hatte 1864 ein Lot, 
also 15 Gramm, dieser federleichten Samen in den USA bestellt. Ein Missverständnis führte dazu, dass die Amerikaner „a lot“ schickten. Mehr als 5.000 dieser Riesenbäume wurden großgezogen und im Land verteilt. Einer hat in Bad Herrenalb überlebt.

Dann kehrt der Nachtwächter noch einmal ins Mittelalter zurück – bei der Kerzenuhr im Park. In einem Schaukasten ist sie als Modell ausgestellt, in regelmäßigem Abstand mit Nägeln 
gespickt. Immer wenn ein Nagel beim Abbrennen herunterfiel, war eine Stunde vergangen. So konnten die Mönche ihre Gebetszeiten einhalten. Nach 90 Minuten endet auch für Viehhirte 
Bernhard die nächtliche Runde.

Info.

Öffentliche Nachtwächterführungen finden einmal im Monat statt, von Oktober bis März um 19 Uhr, im Sommer um 21 Uhr. 

Preis 10 Euro. 
Anmeldung über die Tourist-Info Bad 
Herrenalb, Telefon 07083 500555


www.badherrenalb.de/ tourismus

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