Der Stolz der Markgräfin

Die Festspiele sind der Höhepunkt im Ettlinger Jahreslauf. Doch auch sonst zieht die lebendige Stadt mit ihrem prächtigen Schloss viele Besucher an.

 02. Oktober 2013

Ohne die Markgräfin Sibylla Augusta wäre vieles anders gekommen. Ohne sie gäbe es heute in Ettlingen wohl kein Schloss – und auch keine Festspiele. Denn die Stadt, die erstmals 788 urkundlich erwähnt wurde und sich über die Jahrhunderte zur ansehnlichen und befestigten Siedlung gemausert hatte, war im Pfälzischen Erbfolgekrieg niedergebrannt. 1689 lag sie in Schutt und Asche.

Einiges wurde in den darauffolgenden Jahren von Neuem errichtet. Im Jahr 1727 übergab die badische Markgräfin schließlich ihrem Sohn die Regierungsgeschäfte und zog sich auf ihren Witwensitz zurück – nach Ettlingen. Sogleich beauftragte sie Hofbaumeister Johann Michael Rohrer, das Schloss wieder aufzubauen. Ihr verdanken die Ettlinger also ihren beeindruckenden Barockbau mit vier Flügeln und prächtig geschmückten Sälen.

Später sollte das Schloss allerdings auch schmucklose Zeiten erleben: Von der Kaserne über ein Krankenhaus bis hin zur Salpetersiederei hatte es alles Mögliche in seinen Räumen beherbergt und war in den Besitz der Stadt übergegangen. Als dann Mitte der 1970er Jahre der Schlosshof in frisch renoviertem Glanz erstrahlte und als prächtiger Rahmen einfach genutzt werden musste, wurde die Idee der Schlossfestspiele geboren. Seit über 30 Jahren sind sie nun der Höhepunkt im Stadtleben und der ganze Stolz der Ettlinger. Zu Recht, denn hier gibt es keine Gastspiele fremder Bühnen, sondern von  Mitte Juni bis Mitte August hochwertige Eigenproduktionen. Knapp 800 Besucher sind dabei, wenn im Schlosshof Musicals und Theaterstücke gefeiert werden und bekannte Fernsehstars auf die Bühne treten. In diesem Jahr wird hier unter anderem Susanne Steidle, die in vielen Serien wie „Marienhof“ und „Rote Rosen“ mitgespielt hat, im Shakespeare-Stück „Der Sturm“ zu sehen sein.
Wenn der Vorhang sinkt, ist in Ettlingen längst nicht Schluss. Direkt vor dem Schloss wartet der Kulturbiergarten auf Gäste und beim Bummel durch die Altstadt findet man viele Möglichkeiten, einen lauen Sommerabend bei einem  guten Glas Wein im Freien zu verbringen. Und das nicht nur zur Festspielzeit: In den Gassen der schmucken Altstadt mit ihren vielen Läden, Cafés und Restaurants ist immer etwas los und beim ersten Sonnenstrahl werden Stühle und Tische aufs Pflaster gestellt. Genau das macht den besonderen Charme Ettlingens aus: Die Stadt ist voller Leben. Natürlich gibt es auch interessante Bauwerke, Museen und Führungen, doch viele kommen allein deshalb hierher, weil man zwischen historischen Fassaden und der Alb herumschlendern und das bunte  Treiben in der Stadt genießen kann. Das gilt auch in der Adventszeit, wenn sich die Marktstände an den Straßen aufreihen und die Stadt Besucherrekorde verzeichnet. Wer dann vom Läuten der Glocken angezogen wird und die Kirche St. Martin betritt, steht in einem der ältesten Gebäude Ettlingens. Die Kirche wurde zwar auch beim Brand im Jahr 1689 in Mitleidenschaft gezogen. Doch auch hier unterstützte jemand die Aufbauarbeiten nach Kräften: keine geringere als die strenggläubige Katholikin Sibylla Augusta.

Gut zu Wissen

Das Schloss ist nicht nur beliebter Festspielort, es beherbergt außerdem das Albgaumuseum, eine Ausstellung zur Schlossgeschichte und zu ostasiatischem Kunsthandwerk und die Städtische Galerie mit regionaler Kunst. Die Stadt kann man auf eigene Faust erkunden, eine der regelmäßigen Führungen mitmachen, sich mit dem marotte-Figurentheater auf die Spuren der Markgräfin begeben und mit dem Schwarzwald-Guide eine Nachtwanderung zum Bismarckturm unternehmen. Einen guten Blick über Ettlingen hat man auch auf dem Panoramaweg am Wattkopf. Darüber hinaus gibt es von Ettlingen aus, dem Tor zum Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, viele Wandermöglichkeiten. Man kann in der Stadt auch E-Bikes mieten und sich auf Tour begeben. Informationen über diese Angebote und die Schlossfestspiele unter → www.ettlingen.de

Mein Tipp

St. Martinskirche

„Mein touristisch-historischer Geheimtipp in Ettlingen ist die St. Martinskirche, das älteste Gebäude Ettlingens mit historischen römischen Badruinen im Keller und einer überregional bekannten Deckenbemalung des Karlsruher Künstlers Professor Emil Wachter. Interessant ist auch, dass die Markgräfin Sibylla für die Renovierung um 1732 verantwortlich war. Nur einige Jahre später, nämlich 1780, wurde der Gasthof Erbprinz das erste Mal erwähnt.“

Bernhard Zepf,
Inhaber des Hotels Erbprinz, Ettlingen

In diesem Artikel erwähnt

SCHLOSS ETTLINGEN

Die Geschichte des Ettlinger Schlosses reicht bis in das 13. Jahrhunderts zurück – von der mittelalterlichen Burg bis zum Wiederaufbau im Barock durch die Markgräfin Sibylla Augusta.